27. März 2017

Auf den Höhen des Thüringer Schiefergebirges liegt umgeben von zahlreichen Seen und Teichen das Städtchen Schleiz.

Schleiz, Alte Münze
Schleiz, Alte Münze
Foto: Stadtinformation Schleiz

Schleiz war ab dem 7. Jh. von sorbischen Stämmen bewohnt. Im 12. Jh. erfolgte dann die deutsche Besiedlung, wie auch bei anderen Orten entlang der „Reußischen Fürstenstraße“.
Schon bald entstanden Handelswege, die die Entwicklung förderten. Die Handelswege kreuzten sich in der Altstadt am Nicolaiplatz. Hier befand sich einst eine Kirche, die Kirche des Schutzpatrons der Handelsleute. 1856 brannte die Kirche ab. Die bedeutendste Handelsstraße, die durch Schleiz führte, war die von Venedig über Nürnberg zur Messe nach Leipzig. Schleiz entwickelte sich zu einem Gewerbe- und Handelszentrum des oberen Saalegebietes.
Neben der sorbischen Altstadt legten die Lobdeburger am Fuße der Burg eine „neue“ Stadt mit einem Markt an. Dieser Markt wurde Altmarkt genannt. Beide Teile der Ansiedlung waren getrennt befestigt und zwei voneinander unabhängige Stadtgemeinden, mit unterschiedlichen Rechten und Pflichten der Landesherren gegenüber. Erst 1482 kam es zur Vereinigung der beiden Städte. 1708 begann der Bau einer dritten Stadt der „Heinrichstadt“, die dann 1851 an Schleiz angegliedert wurde. 1824 entstand durch Verfüllen des Stadtteiches der Neumarkt. Er wurde hauptsächlich als Rindermarkt angelegt.

Das Gebiet der Slawen wurde unter der Herrschaft Otto I. (912-973) in sieben Markgrafschaften geteilt. Schleiz gehörte zur Mark Zeitz, die 1113 aufgelöst wurde.
Bei seiner ersten urkundlichen Erwähnung befindet sich Schleiz unter der Herrschaft eines Zweiges der Lobdeburger, einem fränkischen Adelsgeschlecht. Der Stammsitz der Lobdeburger war die Lobdeburg bei Jena. 1297 wird Schleiz als Stadt (oppidum) erstmals urkundlich erwähnt. Nach dem Aussterben des Zweiges Lobdeburg-Arnshaugk (1289) und langen Erbstreitigkeiten geht Schleiz 1318 an die Vögte von Gera, Nachkommen der Vögte von Weida. Nach der Schlacht bei Mühlberg 1547 im Schmalkaldischen Krieg verlieren sie ihren Herrschaftsanspruch. Der neue Besitzer war Heinrich IV. aus der burggräflich-meißnerischen Linie der Vögte von Plauen. Mit dem Aussterben des letzten Burggrafen von Meissen (1572) fiel deren Territorium an die Herren Reußen von Plauen zu Greiz.
Mit Herrschaftsteilung des Hauses Reuß hatte Schleiz ab 1666 den Rang einer Residenzstadt für die Linie Reuß-Schleiz inne, die 1805 in den Reichsfürstenstand erhoben wurde. Nach dem Aussterben des Hauses Gera und der Abdankung des Fürsten des Hauses Ebersdorf Reuß j. L. wird die Landesregierung 1848 in das wirtschaftlich stärker entwickelte Gera verlegt. Schleiz wurde fortan Sommerresidenz.
Der anfangs hoffnungsvolle Aufstieg zu einer reichen Handelsstadt wurde gestoppt. Die Verlegung der Handelswege von Süd-Nord nach West-Ost und die sächsischen Privilegien wirkten sich ebenfalls hemmend aus. So hielt die Stadt Leipzig das Recht, die Zufahrtswege ihrer Händler selbst zu bestimmen. Sächsisches Gebiet wurde bevorzugt.

Auch Schleiz wurde von Bränden, Kriegen und Seuchen heimgesucht. Der 30-jährige Krieg reduzierte die Bevölkerung auf die Hälfte. 1575 starben über 600 Menschen an der Pest, was ein Viertel der Bevölkerung war. 1837 fiel das Rathaus, die Stadtkirche und das Schloss sowie zahlreiche Häuser einem Brand zum Opfer. So ist nur noch wenig mittelalterliche Bausubstanz erhalten.
Am Neumarkt fällt ein historisches Gebäude ins Auge die „Alte Münze“. Sie wurde 1647 erstmals als Farbhaus urkundlich erwähnt und 1678 als Münze ausgebaut. Diese ehemalige Prägestelle für reußisches Geld dient heute kulturellen Zwecken. Hier arbeitete auch der Vater Johann Friedrich Böttgers, des Erfinders des weißen Porzellans in Europa.

Aufgrund der hohen Geldabwertung wurde die Münzherstellung 1681 eingestellt. 1682 wurde J. F. Böttger geboren. Die Familie verließ noch im selben Jahr die Stadt.

Schleiz war über mehrere Jahre Wirkungsstätte von Konrad Duden. Während seiner Tätigkeit als Direktor des Gymnasiums entstand sein Werk „Die deutsche Rechtschreibung“. Heute befindet sich im Gebäude des ehemaligen Gymnasiums das Rutheneum: Duden- und Heimatmuseum.

Weithin sichtbar auf einem Höhenzug, von der Stadt durch das Tal der Wisenta getrennt, befindet sich die Bergkirche Schleiz. Sie zählt zu den schönsten und bedeutenden Kirchen in Ostthüringen. Die Bergkirche war vermutlich eine Straßenkapelle, die den Fuhrleuten Beistand geben sollte, auf ihrem Weg durch das sumpfige Plothener Teichgebiet. Der spätgotische Bau erfährt in den folgenden Jahrhunderten zahlreiche Veränderungen. Der älteste Teil ist ein Sandsteinportal aus der 2. Hälfte des 12. Jh. Als Begräbnisstätte wird die Innenausstattung durch dunkles Mobiliar geprägt. Ein prächtiger Sandsteinsarkophag in der Turmkapelle bildet den Anfang der Begräbnisstätte der Herren von Gera und später des Hauses Reuß j. L. 1676 befanden sich bereits 50 Särge in den Grüften der Kirche. Kunsthistorisch bedeutend ist die Sandstein-Tumba für Heinrich den Mittleren von Gera aus dem Jahre 1500. Der Verstorbene ist in voller Rüstung dargestellt.

Die heutige vorwiegend barocke Ausstattung ist historisch gewachsen.

Hervorzuheben sind die Arbeiten des Schleizer Malers Paul Keil. Er war in der 1. Hälfte des 17. Jh. der bedeutendste Maler im ostthüringisch-vogtländischen Raum. Er malte u.a. die zwei großen Orgelflügel sowie die Bilder des Gnadenstuhls. Auch bei der Ausgestaltung der Schlosskapelle in Burgk wirkte er mit.
Der Schleizer Bildhauer Johann Balbierer begann 1642 mit dem sehenswerten Burgker Epitaph, das von einem anderen Künstler beendet wurde. Er stellte den Gründer der Herrschaft Burgk mit seiner Familie dar. Das große Schnitzwerk ist in den Bogen vor der Turmkapelle eingearbeitet.
Auf dem angrenzenden Friedhof sind wertvolle Grabmale aus der Barockzeit zu sehen. Der Dachstuhl ist von hoher Zimmermannskunst und dient als Schau- und Lehrobjekt. 1983 wurde eine umfangreiche Restaurierung abgeschlossen.

Ein Schloss finden wir in Schleiz nicht mehr.

Es gab eine Burg der Herren von Lobdeburg (12. Jh.). 1367 wird diese Burg das „Haus Schleiz“ der Vögte von Gera genannt. Nach einem Brand entstand ein erstes Schloss durch Herr Heinrich XII. von Gera (gest. 1500). 1647-1848 war es Residenzschloss Haus Reuß-Schleiz j. L. Nach erneutem Brand 1837 wurde es nochmals aufgebaut. 1848-1918 war es Sommerresidenz bzw. Nebenresidenz Reuß j. L. und Verwaltungssitz des Reußischen Oberlandes. Im Schloss hatte sich seit 1925 das Oberlandmuseum, das reußische Hausarchiv mit 5.0000 Bänden und das Münzkabinett mit ca. 6.000 Münzen befunden. 1945 wird es durch letzte Bomben des 2. Weltkrieges zerstört. Nur noch zwei Turmruinen erinnern daran.

Warum wird Schleiz die Rennstadt genannt?

Begonnen hat es 1922 mit einer internen Brennstoffverbrauchsprüfung durch die Apollo-Autowerke Apolda. Auch 1923 war es noch eine Leistungsprüfung für Krafträder. Angeregt wurde diese Prüfung durch die Brennstoffverteuerung. Die Höchstgeschwindigkeit war 64,2 km /h (1000 m³ Mars). 1924 fand die 1. Deutsche Motorradmeisterschaft mit 81 Aktiven statt. 1931 wird das Rennen international. 1937 fand zunächst das letzte Rennen statt. 1949 begann man wieder: Am 16. Schleizer Dreieckrennen nahmen 171 Aktive und 160.000 Zuschauer teil. 1950 waren es bereits 250.000 Zuschauer.
Durch Instandsetzung und Modernisierung konnten ab 1961 auch Autorennen ausgetragen werden. Das Schleizer Dreieck ist eine der ältesten Straßen-Naturrennstrecken Europas und hat drei scharfe Linkskurven. Nach der Wende heißt es nun – Anpassung an die Marktwirtschaft. Es gibt attraktive Veranstaltungen die jährlich stattfinden, wie das „Treffen der Oldies“, die Seitenwagen Weltmeisterschaften und natürlich das Rennen der „Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaften (IDM)“.

Das wald- und wasserreiche Gebiet um Schleiz zählt zu den schönsten Landschaftsgebieten Deutschlands. Bemerkenswert ist der im Ortsteil Heinrichsruh gelegene Waldpark – eine der ältesten Parkanlagen Thüringens – Park Heinrichsruh.


Mit Sicherheit werden die Eindrücke Lust wecken, diese Region mit all ihren Naturschätzen und Sehenswürdigkeiten einmal zu besuchen.