19. Februar 2017
Wünschendorf, Kloster Mildenfurth
Wünschendorf, Kloster Mildenfurth
Fotograf: Dr. Jürgen Zehe

Wer sich nach ländlicher Idylle und Ruhe sehnt und sich für historische Bauwerke interessiert, sollte unbedingt noch einen Ausflug nach Wünschendorf unternehmen.

Der kleine Ort an der Pforte des Elstertals hat Einiges zu bieten.
Wünschendorf kann auf eine über 1000 Jahre alte Geschichte zurückblicken. Zeugen dieser Zeit sind die Kirche St. Veit, das Kloster Mildenfurth und das Kloster Cronschwitz.

Wo Weida und Elster zusammenfließen, steht auf einer Anhöhe die Kirche St. Veit. Mit einem Alter von mehr als 1000 Jahren ist sie der älteste kirchliche Bau im ganzen thüringischem Vogtland (siehe Weida – Erkenbert II.). Sie ging aus der Burgkapelle hervor, die der Überlieferung nach, im Jahre 974 entstand. Sehenswert ist die Innenausstattung mit ihrem spätgotischen Flügelaltar (1480), zwei farbigen Chorfenstern (um 1170) sowie einem mittelalterlichen Steinrelief mit der Darstellung von St. Veit, dem Schutzheiligen der Kirche.

Am Fuße des gleichnamigen Veitsbergs finden wir noch eine Rarität in Thüringen; eine überdachte Holzbrücke. Im 13. Jh. wurde sie errichtet, jedoch mehrmals durch Eisgang zerstört. 1786 entstand dann die heute noch erhaltene Holzkonstruktion mit 71 m Länge und 4,30 m Breite. Aus gewaltigen Eichenbalken gefertigt, ohne einen einzigen Nagel, hielt sie allen Launen der Natur stand. Sie war ein wichtiger Fußgängerübergang. Hier kreuzten sich Verbindungswege aus der Mark Zeitz in Richtung Süden und einer Abzweigung der Salzstraße aus dem Saalegebiet nach Osten. Heute hält sie nach Rekonstruktion dem Autoverkehr wieder stand. Brückengeld ist allerdings nicht mehr zu entrichten.

Zu den frühesten Klostergründungen gehören das Kloster im Ortsteil Mildenfurth und das Nonnenkloster im Ortsteil Cronschwitz. Beide Klöster waren Stiftungen der Vögte von Weida. Sie dienten als Hausklöster und waren beliebte Wallfahrtsorte.
Das Kloster Mildenfurth, ein mittelalterliches Prämonstratenser Kloster, wurde von Heinrich II. (der Reiche), im Jahre 1193 gegründet. Nur der wirklich reiche Adel konnte sich solche Stiftungen leisten. Seinen Beinamen „Der Reiche“ trug er also zurecht. Durch großzügige Schenkungen seitens der Vögte von Weida und Gera entwickelte sich das Kloster bald zu einem Zentrum des geistigen Lebens und der Bildung. Das zeigte sich auch an der großzügigen Bauweise der romanischen Basiliken und der Befestigungsanlagen. Bis zur Reformation verfügte es über einen Grundbesitz von mehr als 300 ha. Das Kloster leistete einen enormen Beitrag zur Entwicklung der Landwirtschaft und des Gartenbaus. Auch das Plothener Teichgebiet (siehe Plothen) hat seinen Ursprung im Wirken der Mönche dieses Klosters. Ab 1521 folgte der langsame Niedergang des Klosterbetriebes und schließlich die Auflösung infolge der Reformation. 1529 wird ein Verwalter für die Besitztümer des Klosters durch den sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. bestellt. Das Kloster wird in ein Verwaltungsamt umgewandelt. 1552 stirbt der letzte Mildenfurther Chorherr. Die Anlage ist bereits an Matthes von Wallenroth verkauft. Er veranlasste den Abbruch und Umbau der Klosterkirche.
1617 werden Amt und Kloster an den sächsischen Kurfürst verkauft. Dieser nutzt es zeitweilig als Jagdschloss.
1815 erfolgt die Umwandlung zu einem Kammergut, das bis 1945 in Betrieb war. Im gleichen Jahr wird das Gut verstaatlicht und bis 1964 als Altersheim genutzt. Unmittelbar nach der Wende (1989) erfolgten Konservierungs- und Werterhaltungsmaßnahmen. Das 1. Weihnachtskonzert fand am 26. Dezember 1991 im Kreuzgewölbe des Erdgeschosses statt. Seit Mai 1992 informiert eine kleine Ausstellung die Besucher über die Bau- und Klostergeschichte.

Das Kloster Mildenfurth gehört zu den schönsten Sakralbauten aus der romanischen Zeit.
Das Dominikanerinnenkloster Cronschwitz wurde 1238 durch Jutta, die Gemahlin Heinrich IV. gegründet. Mit der „feierlichen“ Scheidung Heinrich IV. und seiner Gemahlin Jutta hatten beide der Welt entsagt. Heinrich IV. eroberte als Kreuzritter fremdes Land. Persönlicher Besitz war jedoch in seinem Orden unmöglich. Jutta stiftete das Kloster Cronschwitz. Sie selbst war erste Priorin. Im Kloster fanden sich beide wieder, allerdings nur in der gemeinsamen Grabstätte. Sie hinterließen vier Söhne namens Heinrich – einer gründete die Linie Plauen, einer Gera (siehe Weida, Greiz) und zwei wurden Mönche.
Das Kloster war ein Stift für unverheiratet gebliebene adlige Töchter, hauptsächlich für die der Vögte. Außerdem war es letzte Ruhestätte der Herren von Weida. Das Kloster mit über 150 Zinsdörfern galt seinerzeit als das reichste Kloster im Vogtland. Mit den Ereignissen des Bauernkrieges (1525) begann der allmähliche bauliche Untergang des Klosters. Heute sind leider nur noch wenige Mauerreste übriggeblieben.

Von Wünschendorf aus kann man eine Reihe lohnenswerter Ausflüge unternehmen. Elsteraufwärts erreicht man zu Fuß oder von der Gondelstation aus per Boot den Märchenwald vorbei an geologischen Aufschlüssen, die 50 Millionen Jahre Erdgeschichte dokumentieren. Der Märchenwald entstand auf Initiative des Mühlenbesitzers Herbert Schulze. Er gab den Auftrag an den Mühlenbauer Hammerschmidt zur Gestaltung der ersten beiden Spiele. Im Jahre 1927 begann Hammerschmidt mit der Aufstellung einer Miniatur-Hammerschmiede im Tal der Kamitz. Weitere Miniaturen kamen hinzu, die alle durch die Wasserkraft des Baches bewegt wurden. Nur drei Märchen dienten als Vorlage: Rotkäppchen, Hänsel und Gretel und die Heinzelmännchen. Schließlich wurde es ein Märchenwald, der weit über das Elstertal hinaus bekannt wurde. Zum Gedenken an Herrn Schulze (der zu der damaligen Zeit auch den Heimat- und Verschönerungsverein Wünschendorf gründete) befindet sich am Eingang des Märchenwaldes ein Gedenkstein, welcher zur 80-Jahr-Feier im Jahr 2007 eingeweiht wurde.
Für Wanderfreunde besonders reizvoll ist das mittlere Elstertal. Verschiedene Wege führen zu markanten Aussichtspunkten, vorbei an idyllisch gelegenen Gasthöfen.


Mit Sicherheit werden die Eindrücke Lust wecken, diese Region mit all ihren Naturschätzen und Sehenswürdigkeiten einmal zu besuchen.