Der WandererIn Bronze gegossener ausruhender Wanderer, den Fabrikant Otto Dietsch († 1948) aus der Schwarzhammermühle für sein Grab erbeten hatte. Er wurde gefertigt von der Bildhauerei Heilmann Reichenbach i. V.

Vor fast 400 Jahren begann am 23. Mai 1618 mit dem Prager Fenstersturz der 30-jährige Krieg.
Den hat man oft als Religions- bzw. Glaubenskrieg deklariert, was anfangs fast so war, aber schnell in ein Austoben schlimmster Grausamkeiten ausartete.
Was mit dem Glauben bzw. der so oder anders vertretenen Konfession kaum noch etwas zu tun hatte.
Beschäftigung mit einem schlimmen Krieg- muss das sein, hat das einen Sinn?
Sind wir nicht genug belastet von vielen ungelösten Problemen, die heute unser Land und die Welt beschweren.
Eben deshalb kann uns helfen, vor allem wie unsere Vorfahren aus den Nöten ihrer Zeit heraus gefunden haben, einen Weg des Friedens gewagt haben in einer Zeit langen Krieges, in der nach menschlichem Ermessen kaum noch etwas zu hoffen war.
Also es ist durchaus sinnvoll und nötig jene Zeit von 1618 bis 1648 und ihr Danach ins Blickfeld zu bekommen.

Der 30-jährige Krieg war keine so geschlossene Größe, sondern die Aufeinanderfolge von vier europäischen Kriegen, die sich auf deutschem Boden ereigneten.

Da gab es
-den böhmisch-pfälzischen Krieg
-den dänisch-niedersächsischen Krieg
-den schwedischen Krieg und
-den schwedisch-französischen Krieg.

Über diese 4 Kriege gibt es unzählige Bücher.

Das Schlimmste und Verlogenste im 30-jährigen Krieg war, dass man im Zeichen des Kreuzes
gekämpft und gesündigt hat, dass man sich gern des christlichen „C“ bediente oder im Grunde genommen, das Wort und den Willen Gottes verleugnet hat.

Ein Spruch von Karl Rahner zeigt, wie wichtig es ist, sich mit Geschichte zu beschäftigen.

     „In dem Maß, in dem ein Mensch geschichtslos
    wird, wird er auch unmenschlich und orientierungslos.“

Dabei geht es nicht um eine Kriegsverherrlichung, sondern letztendlich um Impulse auf einem Weg hin zur Wiedererlangung des Friedens. Solche Impulse vermitteln uns auch die Kirchenlieder, die alle in der Zeit des 30-jährigen Krieges entstanden sind.

Helmut Warmuth

Das Greizer Land im 30-jährigen Krieg
dargestellt am Schicksal von Reinsdorf

„Die Türme stehn in Glut,
die Kirch´ ist umgekehret,
das Rathaus liegt im Graus,
die Starken sind zerhaun,
die Jungfraun sind geschändet,
und wo wir hin noch schaun,
ist Feuer, Pest und Tod.“
Andreas Gryphius (1616-1664)

Der 30-jährige Krieg gehörte zu den traurigsten Ereignissen, die sich je auf deutschem Boden abgespielt haben. Seine Hauptursachen hatten mit den konfessionellen Gegensätzen, die sich infolge der Reformation ergeben haben, zu tun. Diese Gegensätze hatten sich zunehmend verschärft durch machtpolitische Auseinandersetzungen zwischen dem Kaiser und den Reichsständen, zwischen Spanien-Österreich und den protestantischen Ländern sowie zwischen Habsburg und Frankreich. Unter dem Deckmantel des Glaubenskrieges wurden oft sehr unchristliche Vorhaben gewaltsam durchgesetzt.
Zu den Kriegsauswirkungen im Greizer Land, besonders in und um Reinsdorf
Friedrich Schiller hat den sogenannten Religionskrieg von 1618 bis 1648 und dessen Ursachen mit folgenden Sätzen umrissen: „Die Trennung der Kirche hat in Deutschland eine fortdauernde politische Trennung zur Folge. Wenn das Recht nicht entscheiden kann, so tut es die Stärke, und so geschah es hier…Zu einem Religionsfrieden waren jene Zeiten noch nicht reif und die Köpfe noch zu trübe. Wie konnte ein Teil von dem anderen fordern, was er selbst zu leisten unvermögend war?“
Auf Thüringen bezogen ist festzuhalten, dass es deshalb im 30-jährigen Krieg so sehr gelitten hat, weil durch diese Mitte Deutschlands wichtige Heerstraßen führten. Auch das Greizer Land war von jenen Nöten betroffen, besonders schwer wurde Reinsdorf heimgesucht. Dessen Kirche und Pfarre wurden mehrfach geplündert- sowohl von den katholischen Kaiserlichen als auch von den evangelischen Schweden. Einer stand dem anderen an Grausamkeiten, Habgier und Völlerei nicht nach. „Ob Schweden, ob Kaiserliche, ob Freund, ob Feind-, die Truppen hausten in gleicher Weise. Der Krieg musste den Krieg ernähren. Wo Truppen durchzogen oder längere Zeit blieben, musste
das Land sie unterhalten“ (R. Herrmann, a.a.O., S.203).
Dazu findet sich in einem alten Reinsdorfer Pfarrverzeichnis diese Niederschrift über die Kriegsauswirkungen: „Alsdann fielen bald Kaiserliche, bald schwedische Parteien ein, daß niemand in seinem Hause sicher sein konnte. So wurden Pfarre und Kirche verschiedene Male geplündert, die Fenster eingeschlagen, die Dielen aufgehoben, die Kirchstände weggerissen, Sakristei und Opferstock erbrochen und alles Geld geraubt. Die Einwohner mussten flüchten und konnten nicht einmal die Toten gehörig begraben.“ Weiter wurde am 15.10.1632 von Hans Ernst von Kommerstädt auf Schönfeld mitgeteilt, wie Soldaten abermals die Reinsdorfer Kirche heimgesucht und unter anderem 50 Taler Silbergeld gestohlen hatten, auch sonst das Kirchengebäude als solches arg beschädigten.
Dazu als Ergänzung eine schlimme Begebenheit aus einem Dorf bei Neustadt an der Orla. Am 13.10.1633 überfielen kaiserliche Soldaten das Dorf Weira, drangen in das Pfarrhaus ein, schlugen den 63 Jahre alten Pfarrer Michael Köcher mit Peitschen und Seilen, brachten 100 Gulden an sich, schleppten den gebundenen Pfarrer in ein Nachbardorf und schlugen dort mit Dreschflegeln und Schwertern auf den „lutherischen Hund und Ketzer“ ein. Schließlich entkam Pfr. Köcher, starb aber bald an den Folgen der erlittenen Misshandlungen (n. Rud. Herrmann, a.a.Ort, S.228).
Zurück zu den Zuständen im Greizer Land! Der Schönfelder Rittergutsbesitzer überliefert, „was die durchreisenden Soldaten seinen Untertanen abgenommen haben: Hans und Caspar Dietel zu Schönfeld 4 Pferde und Geräthe, Hans Reyer zu Waltersdorf (bei Reinsdorf) 1 Pferd“, usw.
Diese Aufzählung der Übergriffe auf die Reinsdorfer und Schönfelder Einwohner ließ sich anhand der Quellen fortsetzen. Das hier knapp Wiedergegebene mag für das Ganze sprechen. Zum weiteren Hergang des Kriegsgeschehens hierzulande noch diese Feststellung: “ Ein Lager wurde erst dann abgebrochen, wenn keine Nahrungsmittel mehr vorhanden waren. Hungersnot und Seuchen ließen die abziehenden Scharen der ansässigen Bevölkerung zurück (Rud. Herrmann, a. a .Ort, S.203).
Im Jahr 1633 wurde Hans Ernst von Kommerstädt auf Schönfeld heimgesucht und als Gefangener von den Kroaten weggeschleppt. Im selben Jahr kamen auch schwedische Soldaten von Zwickau heran und plünderten die Pfarre in Reinsdorf. Ihre Beute bestand aus „5 Schock Haber-Stroh, 12 alten Hühnern nebst Haushahn und zwei Kühen“-alles mit Gewalt entwendet. Dies geschah im ohnehin sehr notvollen Jahr, dem Pestjahr. Die Gemeinden Reinsdorf, Herrmannsgrün, Reudnitz, Gottesgrün, Fraureuth und Naitschau waren besonders von der Pest betroffen, die die Horden des kaiserlichen Generals Holk ins Greizer Land eingetragen hatten. Holk hatte mit seinen Soldaten in Sachsen und da besonders im Vogtland ausgesprochen brutal gewütet. Seine Soldaten erschossen am 12.8.1633 August Jacob Otto aus Kahmer und Hans Puschner aus Cunsdorf. Holks Leute kamen auch in die Nähe der Stadt Greiz. Er selbst hielt sich am 23.8.1633 in Greiz auf. Vermutlich war er zu jenem Zeitpunkt schon von der Pest infiziert, denn er wurde bereits am 9.9.1633 in Troschenreuth (sächs. Vogtland) ein Opfer dieser Seuche.
Sehr gravierend ereilte die Pest im letzten Drittel des Jahres 1633 die Kirchgemeinde Reinsdorf (über Greiz). In 4 Monaten erlagen über 200 Gemeindemitglieder der Epidemie. Ganze Familien waren der Pest erlegen, so am 14.9.1633 die des Schulmeisters Hans Klug. Ein unsagbares Leid hatte die Hinterbliebenen betroffen, was in Worten kaum auszudrücken ist.
Anno 1639 brachten die schwedischen Soldaten erneute Unruhe und Verwüstung nach Reinsdorf. Sie zerschlugen in der Pfarre wiederum „Thür und Tore, huben in den Kammern die Bretter auf und zerhieben sie. Anno 1641 hatten die Reinsdorfer eine Zeit lang 150 Pferde der Soldaten zu füttern. Alte wertvolle Kirchenbücher wurden von den Soldaten beschädigt, indem sie wahllos Blätter herausrissen“ (n. Hüllemann, a.a.Ort, S.478).
Zu den Übergriffen der Schweden auf die Vogtländer hatte sich folgender Reim herausgebildet:
„Die Schweden sei kumme
mit Pfeifen und Trummeln,
ham alles mitgenumme,
ham de Fenster neigeschlogn
ums Blei drvun getrogn,
ham Kugeln draus gossen
un de Bauern tut g`schossen.“
(R. Schramm, a.a.O., S.6)
Ähnliches hielt ein Pfarrer aus Döhlen (bei Triebes) über den schandbaren Umgang der Soldaten mit den dortigen Kirchenbüchern fest, dass „trotz gewissenhafter Bewahrung seine Kirchenbücher den Soldaten in die Hände gerieten, die sie Übel genug traktieret, den Pferden untergestreuet und zum Teil zerrissen haben“ (n. Günter Steiniger: „Mühlen im Weidatal“, S. 123).
1641 überkam noch einmal die Pestseuche die Einwohnerschaft in und um Reinsdorf „und war der Hofmannin Tochter Maria die erste Person, so an der Pest zu Waltersdorf bei Reinsdorf den 13. Juli verstorben, welcher hernach noch 59 Einwohner gefolget sind. Da muß es gewiß auch betrübt anzusehen gewesen sein, wenn die Kinder in den Häusern sind getaufet, und die Toten in den Gärten und Hölzern sind begraben worden. Ja, noch betrübter war es, wenn Eltern selbst ihre Kinder, und Ehegatten einander ohne fremde Hülffe mit Tränen und Herzeleid haben einscharren müssen“. Diese traurige Nachricht ist nachzulesen im „Versuch einer historischen Beschreibung des altadeligen Geschlechts derer von Kommerstedt“, Greiz 1723.
Die Angaben über Reinsdorf und dessen Umgebung im Zeitalter des 30-jährigen Krieges mögen genügen, um zu ermessen, in welcher Not sich damals unsere Vorfahren befanden. Und sie konnten davor nicht ausreißen. Wohin sie auch gingen, überall war derselbe Jammer, sich ausdrückend in Hunger, Krankheit und Entsagung. Dazu kommt, dass das Greizer Land besonders schlimm betroffen war. Fast während des gesamten Kriegsverlaufs durchquerten riesige Truppen plündernd, sengend und mordend das hiesige Gebiet. Der Bevölkerungsrückgang durch Hunger, Seuchen und Krieg betrug im Greizer Land über 50%, in anderen Gegenden sogar über 2 Drittel. Dazu ist noch einzufügen, dass es natürliche und gesunde Nahrungsmittel kaum noch gab. Besonders in der zweiten Kriegshälfte bestand nicht selten die Nahrung aus Erde, Kleie, Baumrinde, Eingeweiden aus Hunden und Katzen sowie aus Aas (n. Eichhorn, a. a. Ort, S. 45).
Wenn Reinsdorfer Pfarrern jener Notzeit nachgegangen wird, dann deshalb, weil uns über deren Erleben und Erleiden mehr überliefert ist als über deren Gemeindemitglieder. Die Pfarrer standen als Mutmacher und Seelsorger bei Hoch und Niedrig in hohem Ansehen. Sie waren die Vertrauenspersonen schlechthin. Dazu kommt, dass im Pfarrhaus gelesen und geschrieben wurde. Der Pfarrer war meist im Dorf der einzig studierte Mann. So besaß er auch die Fähigkeit, das derzeitige Zeitgeschehen zu überliefern, im Gegensatz zu seinen Mitchristen, die oft noch Analphabeten waren. Auch ist diesen Pfarrern in 30- jähriger Kriegszeit nachzusagen, dass ihr Stand in einer langen Phase allgemeiner Verwirrung intakt blieb. Die Pfarrer bewahrten viele ihrer Mitmenschen vor entsetzlicher Verzweiflung, indem sie als Seelsorger in großer Treue an der Seite der Leidenden zu finden waren. Auch auf die evangelisch-lutherischen Pfarrer der Kirchgemeinde Reinsdorf traf das zu. Die Erfahrungen des 17. Jh. hatten sie dazu gestählt, durch Predigt und Seelsorge, durch Rat und Tat Pastoren, also Hirten ihrer Gemeinde zu sein. Dem Leben und Wirken von Reinsdorfer Pfarrern in jener ausgesprochen schweren Zeit soll nachgegangen werden.

Zu Reinsdorfer Pfarrern des 17. Jahrhunderts
Johann Lehr d. J.

war der 8. evangelische Pfarrer in Reinsdorf und dort von 1630 bis 1640 tätig. Er stammte aus Greiz, wo er im Jahre 1585 (Geburtsjahr von Heinrich Schütz aus Köstritz) geboren wurde. Sein Vater war der Diaconus Johann Lehr d.Ä. in Greiz. Bevor der Sohn eine Pfarrstelle erhalten konnte, musste er sich als „Cantor und Diaconus“ an der damaligen Stadtkirche zu Greiz bewähren. Seine größte Bewährung musste er aber vom Jahre 1630 an als Pfarrer in Reinsdorf (über Greiz) bestehen, als im Pestjahr 1633 über 200 Gemeindemitglieder von der tödlichen Epidemie dahingerafft wurden. Sie alle waren im Zeitraum von nur vier Monaten der Seuche erlegen. Unter ihnen auch die Pfarrfrau Catharina Lehr. In jener Zeit großen Schmerzens war es dem selbst schwer geprüften Pfarrer Johann Lehr aufgegeben, seiner Gemeinde ein treuer Seelsorger zu sein, Es war ja auch, wie schon angedeutet, die Zeit der Übergriffe auf Kirche und Pfarre in Reinsdorf.
Nach zehnjährigem hingebungsvollen Dienst an seinen Gemeindegliedern verstarb Pfr. Johannes Lehr d.J. am 2.2.1640 an Lichtmess, dem Tag der Darstellung des Herrn. Er war ein unerschrockener Mann des Glaubens und der Zuversicht, der in der schlimmsten Zeit, die Reinsdorf je zu bestehen hatte, ein rechter Pastor für Lebende und Sterbende war.

David Seidler
war dann der 9. evangelische Pfarrer in Reinsdorf und von 1640 bis 1655 dort tätig. Bereits im Sterbejahr seines Vorgängers begann er in Reinsdorf seinen Dienst, also noch in der Zeit des 30-jährigen Krieges, den er mit seiner Familie in seiner ganzen Härte durchleiden musste, denn 1641 wurde das Greizer Gebiet von den Schweden besetzt. Die Reinsdorfer Einwohner wurden gezwungen, 150 Pferde der Schweden zu füttern. Und das im letzten Jahrzehnt des Krieges, da die Vorräte ohnehin erschöpft waren. Dann wurden Pfarre und Kirche wieder heimgesucht. Eine Taufe musste am 25.04.1642 im oberen Gut zu Schönfeld stattfinden, weil man sich nicht in die Kirche getraute aus Angst vor den schwedischen Soldaten. Dazu kam, dass, wie schon erwähnt, ab dem Jahre 1641 im Bereich der Kirchgemeinde Reinsdorf die Pest abermals ihre Opfer forderte.
David Seidler war es gegeben, auch in dieser trostlosen Zeit als Pfarrer in Reinsdorf in Treue und Hingabe seines Amtes zu walten. Er stammte aus Fröbersgrün. Sein Vater war der Pfarrer Augustinus Seidler, und seine Mutter war eine Pfarrerstochter aus Elsterberg.: Anna, geborene Graf. Pfarrer David Seidler war von argen Kopfschmerzen geplagt, so dass er 1654 seinen Sohn, den Theologen Augustinus Seidler d.J., zu seinem Substituten, also Gehilfen, bestellte. Vor seiner Reinsdorfer Amtszeit war David Seidler 20 Jahre lang Pfarrer in Dobia gewesen, das bis ins 20. Jh. eine Kirchgemeinde mit eigenem Pfarramt gewesen ist.
Pfr. David Seidler segnete das Zeitliche in Reinsdorf am 19.03.1655 im Alter von 58 Jahren.

Augustinus Seidler
war der 10. evangelische Pfarrer in Reinsdorf und dort von 1655 bis zu seinem frühen Ende 1656 im Amt. Er war der direkte Nachfolger seines Vaters und verheiratet mit Eva van Walds. Vor seiner Reinsdorfer Amtszeit war Augustinus Seidler seit dem Jahre 1651 Hauslehrer bei der Herrschaft Rothenthal, bevor er der Substitut seines Vaters in Reinsdorf wurde. Er starb nach nur einjährigem Pfarrdienst in Reinsdorf am 31.01.1656, kaum 34 Jahre alt. Seine junge Ehefrau folgte ihm nach drei Jahren ins Grab. So war das 10. Pfarrerehepaar zu Reinsdorf früh und tragisch aus diesem Leben gerufen worden.

Johannes Knoll
war der 11. evangelische Pfarrer von 1656 bis 1657 in Reinsdorf wirksam. Ihn ereilte das Schicksal, das auch seinen Vorgänger ereilt hatte. Er war gerade ein Jahr lang Inhaber der Reinsdorfer Pfarrstelle, da ereilte ihn eine schlimme Krankheit, die aber in den Unterlagen nicht benannt ist. „Pfarrer Knoll verstarb in Greiz am 30.7.1657 im Alter von erst 28 Jahren in den Armen seines Vaters. Sein genaues Alter: 28 Jahre, 9 Monate und drei Wochen“ ist in den Kirchenbüchern zu lesen.

Christian Kühnel
tat als 12. evangelischer Pfarrer von 1657 bis 1662 in Reinsdorf Dienst. Er hatte zu seiner Ehefrau Juliane geb. Heuschkel, eine Pfarrerstochter aus Tschirma. Die Trauung fand am 27.11.1660 in Reinsdorf statt. Auch Pfarrer Kühnel musste früh diese Welt verlassen. Er starb in der Osterzeit 1662 am Sonntag Misericordias Domini „nachmittags zwischen 1 und 2 Uhr, wo er zuvor noch geprediget. Alter 31 Jahre“. Es ist noch heute ergreifend, das so zu vernehmen. Doch so groß und schwer das Leid auch war, so gewiss war unseren Vorfahren der evangelische Glaube, der da bezeugt: „Durch Kreuz und Leid zur Herrlichkeit.“

Georg Reißmann
war als 13. evangelischer Pfarrer von 1662 bis 1690 in Reinsdorf. Er wurde 69 Jahre alt, ein für die damalige Zeit ein sehr hohes Alter. Offenbar war er eine gesunde Natur, ein Mann mit Widerstandskraft. Ihm kam zustatten, dass sich nach dem langen Krieg, einer Zeit der Entbehrung, nunmehr das Leben nach und nach normalisierte.
Pfarrer Reißmann war der Sohn eines Gastwirts in Greiz. Er hatte zweimal geheiratet, zuerst Anna Christina geb. Stemmler, die früh verstarb. Aus seiner zweiten Ehe mit Susanne geborene Schmidt gingen 8 Söhne und 5 Töchter hervor. später hatte Pfarrer Reißmann neben seiner großen Kinderschar noch 22 Enkel. So konnte sich seine Familie in einer Weise entfalten, wie das seinen Vorgängern im 17. Jh. nicht gegeben war.

Balthasar Barth
wirkte von 1690 bis 1692 als 14. evangelischer Pfarrer in Reinsdorf. 1651 geboren, hatte er im jugendlichen Alter Theologie studiert und erhielt relativ früh das Pfarramt in Reinsdorf. Im Jahre 1690 ging er mit Judith Catharina Dietz aus Greiz die Ehe ein. Beide wurden in der Kirche zu Reinsdorf durch Pfarrer und Magister Wolffen aus Herrmannsgrün getraut. In der Ehe wurde das Mädchen Eva Maria Barth geboren. Doch noch im Geburtsjahr der kleinen Pfarrerstochter wurde deren Vater, für die Familie und die Gemeinde allzu früh, heimberufen.

Johann Friedrich Zorn
wirkte als 15. evangelischer Pfarrer 1692 bis 1694 in Reinsdorf. Mit ihm sei die Reinsdorfer Pfarrerchronik des 17. Jh. geschlossen.
In der Dreifaltigkeitskirche hat sich bis heute Zorns lebensgroßes Ölbildnis erhalten. Nur zwei Amtsjahre waren ihm in Reinsdorf zu bemessen. Er starb am 21.05.1694 im Alter von 33 Jahren, betrauert von seiner Gattin und der Kirchgemeinde. Kinder sind aus dieser Ehe nicht bekannt.

Soviel zum traurigsten Kapitel Reinsdorfer Geschichte. Rücksichtslos und brutal war man immer wieder über das Dorf hergefallen. Unsagbares Elend brachten die verrohten Soldaten den Menschen in der Zeit des 30-jährigen Krieges. Das Reinsdorf mit seinen Einwohnern seinerzeit besonders schlimm betroffen war, wurde deutlich gemacht, und das dessen Pfarrer sehr viel zu tragen und zu leiden hatten auch. Bliebe anzudeuten, wie es nach dem Ende des Großen Krieges, also nach dem Friedensschluss des Jahres 1648, im Greizer Land sowie in Deutschland überhaupt weitergegangen ist.
„Gott Lob, nun ist erschollen
das edle Fried- und Freudenwort.
daß nunmehr ruhen sollen
die Spieß´und Schwerter und ihr Mord.
Wohlauf und nimm nun wieder
dein Saitenspiel hervor,
o Deutschland, und sing Lieder
im hohen, vollen Chor.“
Mit diesem Gedicht, das bald zum Lied wurde, begrüßte der Dichterpfarrer Paul Gerhardt (1607-1676) den Friedensschluss zu Münster und Osnabrück anno 1648, den so genannten Westfälischen Frieden. Die Verhandlungen, die nach dem langen Krieg, den Friedensschluss zum Ziel hatten, zogen sich über vier Jahre hin, bis er endlich am 24.10.1648 erreicht war.
Der 30-jährige Krieg war ein Aufsehen erregendes europäisches Ereignis gewesen, allerdings in einem zutiefst traurigen Sinne. Und doch spricht es für diese so schlimm heimgesuchten Menschen von damals, wenn sie nicht aufgaben, sondern sich treulich bemühten. einen wieder gangbaren Weg zu finden.
Gegen Ende des Krieges hatte man in der Ortenau, einer badischen Landschaft bei Offenburg, einen Stein aufgestellt mit der eingemeißelten Inschrift „Der alde Gott lebet noch“. Diese Zeile drückt aus, wie es den Menschen damals zumute war und auf wen sie ihre Hoffnung setzten. Ein Neuanfang war möglich, doch steinig und schwer. Glaubend und hoffend ging man ans Werk, bestellte weder die Felder, baute nach und nach Zerstörtes wieder auf.
Auch im Greizer Land war dieser Aufbauwille allüberall zu spüren. Er regte sich bereits in der Kriegszeit, als Valentin Tischendorf die Papiermühle am Aubach 1634 übernahm und den Betrieb drei Jahre danach an der wasserreichen Göltzsch neu aufbaute. In jener Zeit des noch vorhandenen Niedergangs und Todes war diese Firmengründung ein mutig gewagter Aufbruch in die Zukunft. Die Nachkommen Valentin Tischendorfs bewährten und bewähren sich heute in Greiz als erfolgreiche Bürger. Dieser Aufbauwille war auch nach und nach im arg mitgenommenen Reinsdorf zu konstatieren, wo man 1720 und 1724 eine große Dorfkirche in nur 11 Monaten erbaut hatte. Die Reinsdorfer Pfarrkirche war übrigens die Heimatkirche der Papiermüller Tischendorf gewesen.
Auch andere Kirchgemeinden des Greizer Landes errichteten nach dem 30-jährigen Krieg neue Gotteshäuser, unter anderen in Caselwitz, Naitschau, Triebes, Langenwolschendorf, Kleinwolschendorf, 3 Kirchen im Kirchspiel Döhlen (!), die Kirche in Fraureuth usw.
Zu diesen nach dem Großen Krieg neu erbauten Kirchen gehörte allen voran die 1714-1739 errichtete barocke Greizer Stadtkirche mit einer klangvollen Silbermann-Orgel, die leider dem Brand von 1802 zum Opfer fiel. Von den auf uns gekommenen 59 Kirchen der jetzigen Superintendentur Greiz hat etwa ein Drittel dieser Gotteshäuser in der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg – also von etwa 1648 bis 1770 – ihre Gestalt erhalten durch Neu- oder Umbau.
Das trifft auf rund 20 Kirchen des Greizer Landes zu. Aus keiner anderen Epoche des hiesigen Bauens haben sich auch nur annähernd so viele Kirchen erhalten, wie im genannten Zeitraum bis 1770 entstanden sind. Die Liebe zur Kirche hat die Menschen in schwerer Zeit für ihr Gotteshaus opferbereit gemacht.
In Dankbarkeit und Freude wurden nach dem Westfälischen Frieden überall große Friedensfeste begangen. In den reußischen Ländern fand am 31.07.1650 ein aufwändiges Friedensfest statt. Es bewährte sich der Wahlspruch von Johann Casimir (1564-1633), Herzog zu Sachsen-Coburg: „Fried ernährt, Unfried verzehrt!“ Damals widerstanden Menschen der Resignation, weil sich die anerzogenen christlichen Werte als tragfähig erwiesen. Der Glaube, die Hoffnung und die Liebe gehörten zu ihrem täglichen Brot. Ein getrostetes Gottvertrauen war ihnen eigen. Die Heilige Schrift und das Lutherische Bekenntnis waren die Basis zu dem allem. Ein evangelischer Glaube ohne schwärmerische Auswüchse wurde gelebt. Wo solcher Glaube vorhanden ist, lebt Kirche, hat sie Ausstrahlung. Unser arg geschundenes deutsches Volk und Vaterland kam nach1648 mit solcher Glaubenszuversicht wieder in die Höhe, was der thüringische Dichter Georg Neumark (1621-1681) aus Langensalza im Jahre 1641 in den Vers gefaßt hat: „Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt ER nicht“ (EG 369, 7b).

Quellen und Literatur (in Auswahl):
-Kirchenbücher der ev.-lutherischen Kirchgemeinde Greiz-Reinsdorf, Bände I-III im Pfarrarchiv
Reinsdorf
-Reinsdorfer Pfarrerverzeichnisse, verfasst von dortigen Ortspfarrern im 18. Jh., Pfarrarchiv
Reinsdorfer
-Faszination Weltgeschichte. Band III: Kriege und Konflikte, Gütersloh/München,2004
-Kurt Collmann, „Stadt und Herrschaft Greiz während des 30-jährigen Krieges, in „Greizer Neueste
Nachrichten“, Beilage „Die Heimat, Jahrgang 1931
-Robert Eisel, „Sagenbuch des Vogtlandes“, Langensalza, 2003
-Rudolf Herrmann, „Thüringische Kirchengeschichte“, Band II, Weimar, 1947
-Herbert Hüllemann, „Die Geschichte der Rittergüter in Reuß ä.L., Jena 1939

  • „Greiz im 30-jährigen Kriege“ in „Greizer Neueste Nachrichten“, Beilage „Die Heimat“,
    Jahrgang 1929
    -Reinhard Michaelis, „Unsere Heimat im 30-jährigen Kriege“ in „Greizer Zeitung“, Beilage „Vergangenheit-Gegenwart“, Jahrgänge 1931, 1934 und 1935
    -Rudolf Schramm, 3 Sagenbände-Ostthüringen betreffend, Greiz, 1981 ff.
    Helmut Warmuth, „Reinsdorfer Pfarrerverzeichnis-von der Reformation an bis in die Gegenwart“,
    Pfarrarchiv Reinsdorf, 1976 ff. neu erarbeitet
    -Derselbe, „Die Pest in Reinsdorf“, in „Heimatbote“ 1981, Heft 7, Greiz