Aus der Geschichte der Gaststätte „Salzmest“

Postkarte von 1919
Postkarte von 1919

Das heutige Gebäude steht seit 1902. Zuvor standen jedoch an dieser Stelle weit bekannte Wirtshäuser.
Zum 1. Mal wird diese Gaststätte „Zur Salzmest“ als Erbschänke in einem Lehnbrief für den Schönfelder Rittergutsbesitzer Hans Metzsch im Jahre 1548 erwähnt.
Das war zur Reformationszeit. Der Besitzer der Erbschänke war das Rittergut in Schönfels.
Die Albert´s waren in Greiz reich vertreten u.a. Woll-und Seidenweberei, die hochwertige Kostüm-und Kleiderstoffe herstellte und Wohngebäude sowie Villen nannten sie ihr eigen.
Simon Albert war der erste bekannte Wirt. Er wurde 1566 in Irchwitz geboren, nachgewiesen im ältesten Kirchenbuch des Greizer Landes von 1560. Mit ihm beginnt die Kette der Reinsdorfer Albert´s. Die ununterbrochen bis ins Jahr 1936 reicht. Diese Wirtsfamilie behauptete sich 370 Jahre in Reinsdorf, fast 4 Jahrhunderte. Letzter Wirt dieser Familie war Hermann Julius Albert (geb.1860). Er war wie seine Vorgänger auch als Landwirt eines großen Hofes tätig. Dem kinderlosen Wirt wurde ein sehr wertvoller Grabstein auf dem Kirchenfriedhof gesetzt, den man leider beseitigt und entsorgt hat.
Zu dieser Zeit trug die Gaststätte den Namen „Gasthof zur goldenen Sonne“.

Luftbild 2017
Luftbild 2017

Die Verwandten, die Familie Würker, führte dann den Gasthof bis 1940. Der Gastbetrieb ruhte in der Kriegs-und Nachkriegszeit, wurde erst 1960 wieder eröffnet und als Konsumgaststätte geführt. In den 70er Jahren hieß sie dann „Salzmest“, benannt nach der ehemaligen Zollstation.
1999 wurde die Gaststätte von Frau Christine Taubert und ihrem Verwandten Christian Taubert bis 2013 weitergeführt.
Danach übernahm die Gaststätte Familie Seuke/Reuter und bringt seitdem kreative und frische Küche in die Salzmest.

Kontaktdaten: Gasthof Salzmest
Tel.: 0 36 61 67 60 67
kontakt@salzmest.com
www.salzmest.com

Aber woher kommt der Name „Salzmest“?

Hier war der Standort der ehemaligen Zollstation.
Das Gebäude wurde 1846 erbaut zur Zeit des Baus der Göltzschtalbrücke, die auch Reinsdorfer Bürger mit gebaut haben.

Schild am Haus Nr. 6
Schild am Haus Nr. 6 in Reinsdorf ehemalige Zollstation Fotos: 2018

In früheren Zeiten gewann man Salz in der Nähe des Ortes Altensalz im Vogtland (siehe Karte). Die urkundliche Ersterwähnung des Orts Altensalz erfolgte in einer Urkunde aus dem Jahr 1321, in der die  Vögte von Plauen dem Deutschen Ritterorden die Besitzrechte über Altensalz übereigneten. Der Name von Altensalz leitet sich von den Salzquellen am rechten Ufer der Trieb ab. Die Saline Altensalz befand sich am ehemaligen Kirchsteig nach Gansgrün.

Die Nutzung der Solequellen in Altensalz lässt sich bis 1493 zurückverfolgen.
Das Salz (Salz-Wasser-Lösung) kam nicht aus lokalen Steinsalzlagern, sondern floss unterirdisch aus dem Thüringer Becken.

1542 verschlammten die angelegten Schächte und die Solequelle versiegte.
Durch August von Sachsen (1553-1586) gab es immer wieder erfolglose Bemühungen, um die Salzproduktion wieder aufzunehmen. Erst der Landjägermeister Hans-Georg von Carlowitz (1586-1643) konnte die Salzgewinnung 1641/42 wieder aufnehmen. Es wurde ein Gradierhaus gebaut, was sogar auf 168 Ellen noch verlängert wurde. Nach dem Tod des Landjägermeisters und einem Feuer verfielen die Anlagen.1717 wurden die Nutzungsrechte für die Altensalzer Mineralquelle an den Leipziger Physiker und Mediziner J.Ch. Lehmann verliehen. Für den Ausbau der Saline hat er Eigenmittel verwendet und ein Staatsdarlehen in Höhe von 25.000 Taler aufgenommen.
In den Jahren 1727-1734 wurden weniger als 10 Tonnen Salz pro Jahr produziert. Nach Lehmanns Tod 1739 wurde die unwirtschaftliche Saline stillgelegt und die Anlagen abgerissen. Später erinnerte man sich nochmals an die Salzquelle.
Aber der Salzgehalt lag nur zwischen 0,75 und 1,0 %.
Ab 1930 wurde das Altensalzer Wasser als Trinkquelle genutzt. Bis ca.1960 wurde das mineralhaltige Wasser, das in seinen Bestandteilen dem in Bad Elster entspricht, aus
210 m Tiefe in Rohren zum Ufer geleitet und im ehemaligen Brunnenhaus abgefüllt. Ein Jocketaer Arzt hatte im Jahre 1907 sogar die Idee, das Wasser in Rohren nach Jocketa zu leiten und den Ort zu einer Heilstätte zu machen. War aber leider nicht realisierbar.

Im Zuge der Errichtung der Talsperre Pöhl wurde die Solequelle 1964 verschlossen.
Sie liegt heute ca. zehn Meter unter dem Wasserspiegel der Talsperre Pöhl.

Das Salz wurde vor allem an den Dresdner Hof geliefert.

Das Ländchen Reuß ältere Linie war auch an diesem Salz interessiert. Das Göltzsch-Elster-Saale Floßgrabensystem war eines der größten in Deutschland. Flöße auf der Göltzsch beförderten das Salz bis in die Nähe des heutigen „Echos“ unterhalb von Reinsdorf. Danach ging es weiter mit Ochsenfuhrwerken den steilen Berg hinauf, dem sogenannten „Schindanger“ nach Reinsdorf in das Haus „An der Salzmest 6“.
Es war auch die Zollstation vom Kurfürstentum Sachsen in das Territorium Reuß ältere Linie. Göltzsch und Friesenbach waren die Grenze.
Die mit Salz gefüllten maßgerechten Holzfässer wurden dann entsprechend verzollt.

Heute fährt man von der Göltzschtalbrücke nach Reinsdorf auf einer Asphaltstraße, vorbei an der ehemaligen Waldgaststätte „ECHO“.

Episoden zur Salzmest

Dem Rittergut zu Schönfels (bei Greiz) gehörte die Erbschenke und die hatten das Sagen, welches Bier ausgeschenkt werden darf.
Von 1634 bis 1764 gab es darüber Streitigkeiten. Die Albert´s wollten ihren Gästen ein gut gebrautes Bier anbieten. Einmal wurde Bier aus Langenwetzendorf geholt,
Der Greizer Stadtrat beschlagnahmte das Bier. Der Wirt legte Beschwerde ein beim
Landesherren Heinrich V. mit Erfolg.

Der Streit ging weiter. Der Wirt Hans Albert beschwerte sich beim Greizer Landesherren über den Junker Hans Wilhelm Kommerstädt, der die Erbschenke mit einem „undüchtigen Bier“, er meinte damit das Greizer Bier, versehen hatte.
Der Junker wollte es ihm sogar wegnehmen, weil es
„ein über die maßen übler Trunk“sei.

1723 wandte sich der Wirt Christian Albert an Graf Heinrich XIII. zu Untergreiz
mit der Bitte, beim Bierausschank Musikanten spielen zu lassen. Das wurde nicht genehmigt.

1635 erschlug ein Garnhändler aus Mylau einen Kesselflicker aus Amberg/Oberpfalz im Wirtshaus Reinsdorf. Der Mörder wurde enthauptet.

Man könnte die Episoden fortsetzen. Und auch in heutiger Zeit gäbe es die eine oder andere kuriose Geschichte.

In jedem Fall sollte man die Gaststätte einmal besuchen und von Reinsdorf aus auf das „Thüringer oder das Sächsische“. Vogtland blicken. Hier sollte es keine Grenzen geben.

Beide sind reizvoll.

Quellen:
-Buch von Gero Fehlbauer „Die Götzschtalbrücke- größtes Ziegelsteinviadukt der Welt“
-Wikipedia: Altensalz
-Chronik Gasthof „Salzmest“
-Freie Presse 04.08.2017

Informationen:
Pfarrer Warmuth
Frau R. Löffler -Mieterin in der ehem. Waldgaststätte Echo
Frau Renate Vöhler – Reinsdorf Nr. 6