Gera

Gera, Untermhaus
Gera, Untermhaus Foto: Stadt Gera

Otto-Dix-Stadt Gera

Bereits vor über 1000 Jahren (im Jahr 995) wurde Gera erstmals namentlich erwähnt und erhielt 1237 das Stadtrecht.
Gera – einst Kreuzungspunkt einer Handelsstraße Leipzig-Nürnberg – entwickelte sich ab dem 15. Jh. zu einem Industriezentrum, das seine Wurzeln in der reußischen Geschichte hat.
In der reußischen Erbteilung von 1564 erhielt Heinrich der Jüngere, der Begründer der jüngeren Linie Reuß, die Herrschaft Gera. Er begann mit dem Ausbau des Ostersteins zum Residenzschloss.
Seinem Sohn, Heinrich Posthumus (1572-1635), ist vor allem der wirtschaftliche und kulturelle Aufstieg der Stadt Gera zu verdanken. Seine Namensgebung ist darauf zurückzuführen, dass er erst 2 Monate nach dem Tode seines Vaters geboren wurde.
In den Wirren der Reformationszeit war das Erbe der Reußen durcheinander gekommen. Heinrich Posthumus gelang es trotz des 30-jährigen Krieges die Landesverwaltung von Reuß j. L. zu reformieren.
Neben einer gut organisierten Verwaltung war ein Glanzpunkt seines Wirkens die im Rahmen der Schulreform geschaffene Landesschule, das Gymnasium Illustre („Rutheneum“). Mit seiner Entscheidung, Flüchtlingen aus Flandern (Nicolaus de Smit) eine neue Heimat zu geben, gab er den Start für den Industriestandort Gera. Vor allem die Wollzeugweberei erlangte neuen Aufschwung. Die mehrfache Teilung von Reuß j. L. konnte er trotz testamentarischer Verpflichtung jedoch nicht verhindern. Bereits 1647 setzte sich die Teilung fort. Unter seinen Söhnen entstanden die selbständigen Herrschaften Reuß-Gera j. L., Schleiz j. L., Lobenstein j. L. und Reuß-Saalburg j. L.
Während sich die anderen Linien wiederum aufspalteten, blieb Reuß-Gera – erst Herrschaft später Grafschaft – ungeteilt. Graf Heinrich XXX. Reuß-Gera (gest. 1802) blieb ohne Nachkommen. Gera wurde von den Verwandten in Schleiz, Lobenstein und Ebersdorf gemeinsam verwaltet. 1848 war von der jüngeren Linie nur noch Schleiz geblieben. Gera und Schloss Osterstein wurden Hauptresidenz, Schleiz nebst Schloss und Park Heinrichsruh wurde Sommerresidenz. Ab 1902 war Gera schließlich Hauptstadt des gesamten Reußenlandes. Das Schloss war ein repräsentatives Gebäude mit 160 Zimmern, einer großen Bibliothek und einer Vielzahl von Kunstschätzen.

Schloss Osterstein wurde im Frühjahr 1945 durch Kriegsbomben zerstört. Die Schlossruine wurde in den 60er Jahren abgerissen. Übrig blieb der Bergfried der Burg aus dem 12. Jh., als Aussichtspunkt auf Gera und das Elstertal.

Noch heute ist Heinrich Posthumus Reuß als einer der bedeutendsten Heinrichinger in aller Munde. Die Beisetzungsfeierlichkeiten dieses frühneuzeitlichen Herrschers gelten uns insgesamt als ein Höhepunkt des protestantischen Funus (feierliches Begräbnis). Davon kündete neben den „Musikalischen Exequien“ von Heinrich Schütz einst auch sein Sarg in der Gruft der alten Geraer Sankt-Johannis-Kirche auf dem Johannisplatz in Gera.

Sehenswürdigkeiten, die an die reußische Residenzstadt erinnern, sind das Theater und die Orangerie des Schlosses Osterstein in der Küchengartenallee.
Das Theater, im Jugendstil 1901/1902 nach Entwürfen von Heinrich Seeling erbaut, befindet sich nordwestlich des Stadtzentrums und ist eines der schönsten Bauwerke Geras. Über dem Hauptportal sind die Büsten von Goethe und Schiller unter der Inschrift „MUSIS SACRUM“ verewigt. Erbprinz Heinrich XXVII. Reuß ließ es erbauen und hat erheblichen Anteil, dass dieses Theater zum „Fürstlichen Hoftheater“ erhoben wurde.

In der Weimaer Republik war es als „Reußisches Theater“ weithin bekannt. Erbprinz Heinrich XLV. war als Chefdramaturg und Intendant am Theater tätig und förderte diese Kulturstätte. Sowohl im Großen Saal als auch im Konzertsaal wird Kunst für jeden Geschmack geboten, sei es Oper, Operette, Musical, Konzert, Schauspiel, Ballett oder auch das Puppenspiel. Jährlich im Sommer zieht das Open-Air-Spektakel „Alles Theater“ tausende Gäste aus nah und fern in den Küchengarten.
Die Orangerie, damals Bestandteil von im barocken Stil angelegten Parkanlagen, wurde unter Herrschaft Graf Heinrich XVIII. j. L. zwischen 1729 und 1732 erbaut. Über 800 Pflanzen, die in unserem Klima nicht gedeihen, fanden darin Platz. Über 400 Orangenbäume, eine Modeerscheinung jener Zeit, gaben dem Gebäude seinen Namen. Im Zweiten Weltkrieg, während des Luftangriffes auf Gera (1945) wurden Teile der Orangerie beschädigt. Nach Rekonstruktion (1954-56) diente die Orangerie als Museum, ab 1972 als Kunstgalerie mit Gemälden vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Auch Gemälde von reußischen Gräfinnen und Grafen sind zu entdecken. Hauptanteil hat die Sammlung von 10.000 Grafiken darunter auch Blätter von Max Pechstein. Außerdem bereichern ständig wechselnde Sonderausstellungen das Angebot.

Von der mit Rosskastanien gesäumten Küchengartenallee gelangt man in wenigen Minuten zum Mohrenplatz. Dort befindet sich das Geburtshaus des Malers und Grafikers Otto Dix (1891-1969), direkt neben der Marienkirche aus dem 15. Jh. Anlässlich seines 100. Geburtstages wurde das rekonstruierte Geburtshaus der Öffentlichkeit als Museum und Galerie übergeben. Neben den Wohnräumen des Künstlers kann man seine Gemälde (u.a. der „Heilige Christophorus IV.“) und seine Grafiken (u.a. 50 Radierungen „Der Krieg“) besichtigen. Dass Otto Dix die Dresdner Kunstgewerbeschule 1910 besuchen konnte, hat er übrigens Fürst Heinrich XXVII. zu verdanken, der ihm ein Stipendium gewährte. Die Gemälde der Otto-Dix-Sammlung, die zu den Kunstwerken internationalen Ranges zählen, ziehen jährlich kunstinteressierte Besucher aus aller Welt an.
Vom Geburtshaus Otto Dix sind es nur wenige Meter bergauf bis zum ehemaligen Schloss Osterstein. Von dort kann man erholsame Spaziergänge durch den Stadtwald unternehmen. Auf einem 20 ha großen Gelände im Martinsgrund entstand im Jahre 1962 der Geraer Tierpark mit etwa 500 Tieren in 80 Arten. Besonders für die jüngsten Besucher sind der Streichelzoo und die Parkeisenbahn eine besondere Attraktion.

Wissenswert

Das älteste Bürgerhaus der Stadt

Das Schreibersche Haus ist das älteste Haus (1686-1688) innerhalb des alten Stadtmauerrings. Es wurde auf der Brandstätte eines mittelalterlichen Burggutes errichtet. Von 1716 bis 1847 war es im Besitz des Kauf- und Handelsherren Schreiber. Als einziges Wohngebäude innerhalb der Altstadt überstand es den Stadtbrand von 1780. 1847 ging das Schreibersche Haus in den Besitz der Stadt über. Bis zum Jahre 1855 beherbergte es das Stadtgericht. Danach wurde es wieder privat genutzt. Seit 1947 dient es als Museum.

Vom Schreiberschen Haus aus steigt man in den Höhler Nr. 188. Dort befindet sich die ständige Ausstellung „Minerale und Bergbau Ostthüringens“. In der Ausstellung wird ersichtlich, wie unsere Vorfahren an zahlreichen Stellen des Thüringer Schiefergebirges nach den begehrten Bodenschätzen suchten. Die Funde waren jedoch eher bescheiden. In einer Nische findet man Darstellung des Goldbergbaus der vergangenen Jahrhunderte. Das begehrte Gold wurde auch in Elster, Weida und anderen Fließgewässern gewaschen. Besonders interessant ist auch die Ausstellung der ehemaligen SDAG Wismut, ein bis zur Wende streng geheimer Betrieb. In anschaulicher Weise kann die Geschichte einer der größten Uran-Produzenten der Welt verfolgt werden.
Eine an die Tradition der „Höhler“ erinnernde Veranstaltung findet jährlich im Oktober in Gera statt, das „Höhlerfest“, wo das Bier seinen Stellenwert immer noch behauptet.
Eine weitere Einrichtung des Museums für Naturkunde ist der Botanische Garten mit Darstellung der Vegetation Ostthüringens.
Entlang der alten Stadtmauer, von der das 19. Jh. nur noch Reste übrig gelassen hat, gelangt man in die Greizer Straße mit dem Ferberschen Haus. Ursprünglich 1760 errichtet, wurde es nach einem Brand original wieder aufgebaut. Einer der reichsten Textilfabrikanten Geras, Moritz Rudolf Ferber, erwarb es 1842 und wurde damit namensgebend. Heute beherbergt es das Museum für Angewandte Kunst.