Hohenleuben

Stadtkirche Hohenleuben
Stadtkirche Hohenleuben

mit Burgruine Reichenfels

Hohenleuben erreichen wir günstig über die B 92 oder B 94. Es liegt auf einer Hochfläche zwischen Leuba-, Triebes- und Weidatal und zwischen den Städten Weida und Zeulenroda.
Hohenleuben wird 1267 unter der Bezeichnung „Lubene“ erstmals urkundlich erwähnt. Wie aus den Ortsbezeichnungen dieser Gegend ersichtlich, war auch dieser Landstrich von slawischen Volksstämmen besiedelt.
Die Stadt entstand aus zwei Siedlungen. Eine Siedlung befand sich am ehemaligen Dorfteich, dem heutigen Untermarkt, die andere auf der Höhe mit Schloss (ehem. Rittergut) und Kirche. Eine sehr lange Verbindung zur Burg Reichenfels belegt die Sage vom unterirdischem Gang, der zwischen Schloss und Kirche zu Hohenleuben nach der Burg Reichenfels geführt haben soll.
Hohenleuben war der Hauptort der Pflege Reichenfels.

Da das Land nach dem Dreißigjährigen Krieg geschwächt war, die Wirtschaft, hauptsächlich Tuchgewerbe und Landwirtschaft, sich nur schwer stabilisierte, führten die Reußen zur Festigung ihrer Machtposition zwischen 1660 und 1690 die Primogenitur in allen Linien ein und die damit verbundene Abfindung.

Zum ersten Mal wurde nach dem Tode Heinrich I. j. L. zu Schleiz (1692) danach gehandelt. Der erstgeborene Sohn Graf Heinrich XI. übernahm Schleiz und sein Bruder Heinrich XXIV. wurde mit dem Paragiat Reuß-Köstritz sowie der Pflege Reichenfels (zu der Hohenleuben gehörte) abgefunden. Wie auch in Bad Köstritz, konzentrierte Heinrich XXIV. seine Herrschaft auf den Aufbau einer wirkungsvollen Verwaltungsorganisation und den zielstrebigen Ausbau seiner Macht. So verlieh er Hohenleuben das Marktrecht (1715), richtete ein Justizamt ein und erließ zahlreiche Verordnungen. Die bisherige Pflege Reichenfels kommt im Zeitraum von 1871 – 1918 als „Amtsbezirk Hohenleuben“ zum „Unterländischen Bezirk“ des Fürstentums Reuß j. L.

Heinrich XXIV. ließ 1741 für seine Familie eine Gruft unter der Hohenleubener Kirche bauen. Bis 1850 wurden 23 Familienmitglieder beigesetzt. Bald wurde die Kirche zu klein. Deshalb wurde 1786 ohne Genehmigung der kirchlichen Oberbehörden mit dem Bau einer neuen Kirche begonnen. Kurios ist, dass das alte Mauerwerk zu den Fenstern der neuen Kirche hinausgeworfen wurde. Aus finanziellen Gründen und infolge dieser Ordnungswidrigkeit konnte die Kirche erst am 8.2.1852 feierlich eingeweiht werden. Von den reußisch-historischen Bauwerken im Stadtkern von Hohenleuben ist nur die Stadtkirche geblieben.

1998 erhielt die Stadtkirche eine besondere Bereicherung durch eine Schenkung der Augustinergemeinde Gotha. Das größte erhaltene Gemälde des letzten Gothaer Hofmalers Paul Emil Jacobs, das Monumentalbild „Kalvarienberg“ von ursprünglich 5,20 m Breite und 8,70 m Höhe befindet sich seit Juni 1998 in Hohenleuben, wo es nach der Restaurierung an der Altarwand der Stadtkirche einen neuen Platz fand und damit nach 60 Jahren die Besucher wieder erfreut.

1853 stiftete Clotilde von Reuß-Köstritz zur Erinnerung an ihren verstorbenen Gatten, Fürst Heinrich II., ein Haus für verwahrloste und verwaiste Knaben und Mädchen, das Rettungshaus „Heinrichstift“. 1950 wird der Heinrichstift Landeskinderheim und 1992 vom Christlichen Jugendwerk übernommen.

1928 erhält Hohenleuben das Stadtrecht.

Südwestlich von Hohenleuben gelangt man entlang einer ca. 2 km langen romantischen Kastanienallee zur Burgruine Reichenfels. Die Burg wurde wahrscheinlich um 1200 von den Geraer Vögten als Zentrum landesherrschaftlicher Verwaltung anstelle einer ursprünglichen Wallanlage erbaut. Die erste urkundliche Erwähnung fällt auf das Jahr 1356. In einem Ehevertrag zwischen den Kindern Heinrichs von Weida („der Ältere“) und Heinrich von Gera erhält der Sohn des Weidaers Reichenfels. Zur Pflege Reichenfels gehörten die umliegenden ursprünglichen Dörfer u. a. Hohenleuben, Triebes, Zeulenroda, Langenwetzendorf, Lunzig. An den meisten Orten waren niedrige Adlige auf Rittersitzen angesiedelt.

Sie standen zur Pflege Reichenfels in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis. Die Burg mit der Pflege ist zu dieser Zeit politisch bedeutungslos.
Sie wird als Finanzobjekt genutzt und immer wieder an adlige Familien verpfändet und verkauft.

1703 kauft Heinrich XXIV. für 21.000 meißnerische Gulden die inzwischen zur Ruine verfallene Anlage nebst Pflege Reichenfels mit umfangreichem Landbesitz. Bis 1945 bleibt die Pflege im Besitz des Hauses Reuß.

1716 hat Reichenfels jede politische und amtliche Bedeutung verloren, da die Gerichtsbarkeit an das neue Justizamt in Hohenleuben übergeht. 1806 lässt Heinrich XLIII. Reuß-Köstritz, ein Anhänger der Romantik, die Burg bis auf Ring- und Gebäudegrundmauern abreißen. Er, gerade Fürst geworden, beabsichtigte den Wiederaufbau des Schlosses nach Plänen des jungen Karl-Friedrich Schinkel. Der Neubau des Schlosses und eines dazugehörigen Landschaftsparks blieben aus finanziellen Gründen unvollendet. Erhalten sind die hohen Umfassungsmauern des Nordwest- und des Südwestflügels sowie Fundamente des Turmes und der Ringmauer mit Toreinfahrt.

Die Burg macht einen wehrhaften Eindruck, hatte jedoch keine militärische Bedeutung. Sie wurde geschützt durch 4-8 m hohe Mauern, eine Toranlage mit Zugbrücke und einem bis 20 m breiten Wallgraben, der die Burg früher ganz umschloss. Hauptbauzeit der heute noch sichtbaren Gebäude ist wohl das 14. Jh. Im Schmalkaldischen Krieg (1546/47) verloren die Vögte ihren Besitz an die Burggrafen von Meißen. Nach deren Aussterben erhielten die Reußen große Teile ihres Besitzes zurück. 1596 fiel Reichenfels an die mittlere Linie und später an Heinrich I. j. L. Reuß (Posthumus). Nach seinem Tod gehörte Reichenfels mit Hohenleuben zur Linie Reuß-Schleiz.

Das neueste Bauwerk des Wirtschaftshofes ist das Museumsgebäude. Mit dem Bau wurde 1938 begonnen, dann von den Faschisten beschlagnahmt und für Rüstungszwecke genutzt. Erst im Februar 1950 konnte der Bau als erster Museumsneubau der damaligen DDR fertiggestellt und als Museum eröffnet werden.

Das Museum Reichenfels gilt als das älteste bürgerliche Museum Deutschlands. Es wurde 1825 vom „Vogtländischen Altertumsforschenden Verein“ zu Hohenleuben gegründet.Hier befinden sich die gesamten Sammlungen und das Archiv des Vereins sowie die wissenschaftliche Bibliothek. Der Bibliotheksbestand mit seinen ca. 36.000 Bänden umfasst inhaltlich Literatur zur Heimatgeschichte des gesamten deutschsprachigen Raumes, des Vogtlandes und eine fast lückenlose Sammlung der Geschichte der ehemaligen reußischen Länder. Da frühere Bibliotheken und Archive in Gera (Schloss Osterstein), Schleiz und Ebersdorf durch Kriegseinwirkungen zerstört wurden, ist es erfreulich, dass die Sammlungen von Reichenfels nur wenige Verluste hinnehmen mussten. Die weiteren gegenständlichen Sammlungen des Museums, z. B. zur Frühgeschichte mit den bedeutendsten Funden Ostthüringens (u.a. Ausgrabungsfunde aus der La-Tène-Zeit), sakrale Kunstwerke, Landkarten, Graphiken, Siegel, Münzen u.a.m. sind sehenswert. Seit den 50er Jahren gibt es auch eine naturwissenschaftliche Abteilung. Dazu gehört die geologische Sammlung mit einer umfangreichen Graptolithensammlung (Graptolithe = fossile Abdrücke), deren Funde größtenteils aus dem Weinbergbruch bei Hohenleuben stammen, eine der international bedeutendsten Fundstätten. Die Ausstellung zur Fauna und Flora zeigt die heimische Tier- und Pflanzenwelt in anschaulichen Dioramen. So bietet die Vielseitigkeit des Museums dem interessierten Besucher stets ein bleibendes kulturelles Erlebnis.


Mit Sicherheit werden die Eindrücke Lust wecken, diese Region mit all ihren Naturschätzen und Sehenswürdigkeiten einmal zu besuchen.